Neues Buch beschreibt seltene Pflanzen im Sperrgebiet

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Sperrgebiet, Tylecodon aridimontaus
Die kleine Tylecodon aridimontaus im Sperrgebiet ist endemisch, dort gibt es noch unentdeckte Arten. Foto: Antje Burke

Die Namib-Wüste mit ihren endlosen Weiten und majestätischen Sanddünen ist die älteste Wüste der Welt. Obwohl das schroffe Klima mit großer Hitze und nächtlicher Kälte sowie starken Windböen in Küstennähe wenige Lebewesen vermuten lässt, ist ihre Fauna und Flora faszinierend. Ein Besuch in der Namib ist ein unvergessliches Erlebnis, der Mensch taucht ein in die Ewigkeit.

Im Süden der Wüste, dem „Sperrgebiet“, werden seit über 110 Jahren Diamanten abgebaut, doch es werden immer weniger gefunden. Inzwischen sind weite Gebiete zum Nationalpark erklärt worden mit neuem Namen: Tsau-Khaeb. Dort kommen verschiedene einheimische Pflanzenarten vor, von denen viele bisher bekannt waren! Ein neues Buch stellt sie zum ersten Mal vor, und – eine weitere Besonderheit hierzulande – nur digital als E-Book.

Sperrgebiet, Tsau Khaeb Nationalpark
Früher war der Eintritt in den heutigen Nationalpark wegen des Diamantenabbaus verboten. Foto: Allgemeine Zeitung

Endemic plants of the Sperrgebiet – a photographic guide von der Wissenschaftlerin Antje Burke ist das erste elektronische Buch dieser Art in Namibia. Die Autorin hat im Laufe der Jahre schon verschiedene Pflanzenführer über die Namib-Wüste und andere Gebiete des Landes veröffentlicht.

Ihr neuestes Buch widmet sich ausschließlich den einheimischen Pflanzen im Tsau-Khaeb-Nationalpark, der früher Sperrgebiet-Park hieß. Die Autorin betont, dass das Risiko des Aussterbens von Pflanzen mit einer sehr begrenzten Verbreitung am größten ist. Namibia habe als Unterzeichner des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt eine besondere Verpflichtung, sich um seine endemischen Pflanzen und ihren Erhalt zu kümmern. „Um sie zu schützen, müssen wir wissen, wie sie aussehen“, schreibt sie. Das gilt nicht nur für Besucher des Parks, sondern vor allem für Naturschutzbeauftragte, Wissenschaftler und Parkbeamte.

Das Ziel dieses Buches ist es, Menschen dabei zu helfen, endemische Pflanzen zu erkennen. Daher ist es für Laien geschrieben und verwendet ein Minimum an Fachbegriffen. Die notwendigen Begriffe werden in einem Glossar am Ende des Buches erklärt. Doch auch für Botaniker ist das Buch interessant.

Die Namib-Wüste birgt große Vielfalt

Der Autorin zufolge gibt es in Namibia 4344 Pflanzenarten, von denen 680 (etwa 16 %) endemisch sind. Die meisten kommen in der Namib-Wüste vor. Dies ist ein reicher Anteil an endemischer Flora, der im südlichen Afrika nur von Südafrika (70 %) und Angola (24 %) übertroffen wird. Im Vergleich dazu hat Botswana nur 13 bestätigte endemische Arten, das sind 0,4% seiner Flora.

Die Namib-Wüste besteht seit 43 Millionen Jahren, was den Pflanzen ausreichend Zeit gab, spezielle Anpassungen an die Umweltbedingungen der Namib zu entwickeln, schreibt Antje Burke. Der südliche Teil der Namib, wo auch der Tsau-Khaeb-Park liegt, wird evolutionär von einer relativ jungen Pflanzenfamilie dominiert – den Aizoaceae – und neue Arten entwickeln sich in dieser Gruppe relativ schnell.

Sperrgebiet, Antimima aurasensis
Die Mesembs sind die vielfältigste Pflanzengruppe im Sperrgebiet, hier eine Antimima aurasensis. Foto: Antje Burke

Burke erläutert in kurzen Texten mit vielen Fotos und Zeichnungen, anschaulich illustriert, die nur im Sperrgebiet beheimateten Pflanzen, mit den lateinischen Namen und ihre Besonderheiten. Bei jeder Pflanze wird vermerkt, ob sie gefährdet, bzw. sehr gefährdet ist. Einzelne Buchstaben in verschiedenen Farben verraten auf einer Karte, wo genau die Pflanzen und Sukkulenten wachsen.

Das Buch macht auch auf den Klimawandel aufmerksam, da ungewiss ist, wie sich eventuell nachlassende Morgennebel als einzige „Bewässerung“ auf die Flora in dem fragilen Ökosystem auswirkt.

Das neue Buch Endemic plants of the Sperrgebiet – a photographic guide mit 84 Seiten von Antje Burke über einheimische Pflanzen bietet einen guten Einblick in die Pflanzenwelt eines weit abgelegenen Gebietes im äußersten Südwesten Namibias. Es ist ausschließlich als E-Book im elektronischen Format erhältlich. Es kann kostenfrei auf der Webseite des Environmental Information Service heruntergeladen werden.

Angaben zur Autorin

Antje Burke stammt aus dem Rheinland in Deutschland und lernte im Rahmen ihrer Recherchen für ihre Magisterarbeit die Negev-Wüste in Israel kennen –und auch die dortige Pflanzenwelt. In den achtziger Jahren besuchte sie Namibia und war so fasziniert von der Wüste und dem Land, dass sie beschloss zu bleiben. Sie spezialisierte sich auf die Ökologie der Wüstenpflanzen.

Antje Burke
Antje Burke im Sperrgebiet. Foto: EnviroScience

Antje Burke war an der in der Namib-Wüste gelegenen Forschungsstation Gobabeb tätig und, nach ihrer Promotion, als Dozentin an der Universität von Namibia (UNAM). Sie gründete später das Beratungsunternehmen EnviroScience für Umweltfragen. Ferner hat Dr. Antje Burke viel Zeit und Arbeit in die Erstellung von botanischen Verbreitungskarten, das Anlegen einer Bank für Sämereien und Renaturierungsprojekte investiert. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Beiträge und mehrere botanische und ökologische Fachbücher veröffentlicht und hält auch Vorträge zur Förderung des Umweltbewusstseins in Namibia.

Brigitte Weidlich

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