Oranjemund öffnet sich der Welt

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Oranjemund
Die Anfänge der Diamantenstadt Oranjemund

Am Samstag, den 21. Oktober 2017, hat die Diamantenstadt Oranjemund zum ersten Mal ihre Tore für Besucher und Touristen geöffnet. Davor war der kleine Ort in der Namib-Wüste nahe der Oranjemündung nur mit Sondergenehmigung zugänglich.

1926 wurden südlich des Oranje auf der südafrikanischen Seite die ersten Diamanten entdeckt. Im Mai 1928 fanden zwei Geologen der Firma Consolidated Diamond Mines (CDM) auch nördlich des Oranje reiche Diamantvorkommen. Um diese zu erschließen, machten sie sich von Lüderitzbucht mit einem großen Lastwagen, vollgepackt mit Treibstoff, Motorenöl, Wasser und Lebensmitteln auf den Weg. Sie schlugen ihr Lager in der Nähe der Oranjemündung auf. Nach und nach kamen immer mehr Zelte dazu. Schwarze Vertragsarbeiter sollten die Suche nach Diamanten beschleunigen. 1928 wird allgemein als Gründungsjahr von Oranjemund betrachtet.

1936 wurden die ersten 50 Hütten aus Holz errichtet. In einem Store konnten die Arbeiter kleinere Notwendigkeiten wie Seife, Tabak und Schuhe kaufen. Es gab sogar ein kleines Postamt. Die Polizei patrouillierte damals das riesige Sperrgebiet auf Kamelen, um Diebe zu erwischen, die Diamanten aus dem Abbaugebiet schmuggeln wollten.

Erst 1944 wurde in Oranjemund das erste Backsteinhaus, ein kleines E-Werk und ein Hospital errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Leben geselliger. Ein Sportverein für Cricket wurde gegründet, nach und nach kamen andere Sportarten hinzu. 1953 feierte Oranjemund einen sportlichen Meilenstein – hier wurde der erste Golfplatz in Namibia angelegt.

Die Einwohner konnten die Minenstadt nur Ostern und Weihnachten verlassen, um in den Urlaub zu fahren. Der Ort war eingezäunt, das Tor streng bewacht. Ab 1975 gab es etwas mehr Bewegungsfreiheit, als die Sicherheitsvorkehrungen an den Abbaugebieten verstärkt wurden. Die majestätischen Oryx-Antilopen, die von Grünanlagen und Gärten angelockt wurden, brauchten sich diesen Kontrollen übrigens nicht zu unterziehen. Sie gehören mittlerweile zum Stadtbild.

Heute werden in der Umgebung von Oranjemund immer weniger Diamanten gefunden, die Produktion verlagert sich. Vor Namibias Küste im rauen Atlantik werden inzwischen mehr Diamanten abgebaut als an Land. So bereitet sich Oranjemund mit seinen inzwischen 9000 Einwohnern auf eine Zukunft ohne Diamanten vor. Dienstleistungen der Firma CDM-Namdeb und Sportvereine gingen in private Hände über. Namdeb sorgt jedoch noch immer für die gesundheitliche Versorgung, Wohnungen und die Grundschule.

Inzwischen wurde die Allianz Oranjemund 2030 gegründet. Der Zweck: den bisher abgeschotteten Ort fit für die eigene Verwaltung zu machen. Man geht davon aus, dass der Übergang 10 bis 15 Jahre dauert.

Den ausführlichen Bericht über Oranjemund von Brigitte Weidlich finden Sie hier.

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