Ortungsgeräte für Giraffen gewinnen internationalen Preis

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Giraffen Namibia
Giraffen in der fast mystischen Wüstenlandschaft des Kaokoland in Namibia. Foto: GCF

Das größte Landtier der Welt was die Höhe betrifft, ist die Giraffe und die Heimat dieser majestätischen Tiere ist der afrikanische Kontinent. Man kann sich nicht vorstellen, dass die langhalsigen Giraffen, die sich anmutig über die Ebenen im Nordwesten Namibias bewegen, Blätter von Baumkronen abzupfen oder Touristen im Etosha-Nationalpark durch die langen Wimpern ihrer schönen braunen Augen quasi von oben herab betrachten, eines Tages aufgrund des Lebensraumverlustes verschwinden könnten, durch erhöhte menschliche Bevölkerung und sogar Wilderei.

Doch ihre Zahl ist in den letzten drei Jahrzehnten um rund dreißig Prozent zurückgegangen, die Giraffenpopulation in Namibia stagniert weitgehend. Nur noch rund 100.000 Giraffen durchstreifen den afrikanischen Kontinent.

Innovation und moderne Technik

Es ist jedoch Hilfe in Sicht. Neben den erfolgreichen Bemühungen des namibischen Ministeriums für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus, Giraffen aus gesunden Populationen in andere Gebiete wie kommunale Schutzgebiete umzusiedeln, trägt eine private Stiftung zur Sicherung der Zukunft der wilden Giraffen in Afrika bei. Ein innovatives Satelliten-Peilsystem, das bisher an fast 300 Giraffen in 12 afrikanischen Ländern, darunter Namibia, angebracht wurde, liefert Umweltexperten, Wissenschaftlern und Behörden wichtige Informationen über Bewegungen und Interaktionen von Giraffen.

Giraffe mit Peilsender am Höcker
Eine Giraffe mit einem Peilsender am Höcker in Kenia. Foto: GCF

Noch interessanter ist, dass diese Ortungsgeräte jetzt klein genug sind, um an einem der beiden Höcker am Kopf oder am Schwanz der Giraffe befestigt zu werden. Die beiden aus dem Kopf ragenden hornähnlichen Höcker sind eigentlich „Ossicones“ – Knorpel, der verknöchert, also zu Knochen verhärtet ist. Sowohl weibliche als auch männliche Giraffen haben diese Höcker. Sie eignen sich gut für kleine Peilsender. Es schadet den Tieren nicht, wenn die kleinen Ortungsgeräte an ihnen oder am Schwanz befestigt sind.

Noch faszinierender ist, dass diese Peilsender mit Solarenergie betrieben werden und somit ihre Batterie nicht leer wird wie beispielsweise bei Satellitenhalsbändern für Elefanten und Löwen. Jetzt sind diese speziellen Giraffen-Sender so „high-tech“, dass sie Anfang November einen internationalen Preis gewonnen haben!

Rettung der afrikanischen Giraffen

Die Giraffe Conservation Foundation (GCF) wurde 2009 in Großbritannien gegründet und ist die einzige NGO, die sich ausschließlich den Giraffen widmet. 2016 schloss GCF seine Büros in Großbritannien und eröffnete seinen Hauptsitz in Namibia. Es gibt vier verschiedene Giraffenarten, die über 18 afrikanische Länder verteilt sind. Um die Probleme von Giraffen besser zu verstehen, beschloß der GCF, einzelne Tiere mit Satelliten-Trackern auszustatten. Sie werden Twiga-Tracker genannt (Twiga bedeutet in einer afrikanischen Sprache Giraffe) und ihre Entwicklung in Bezug auf die erforderliche Software ist nicht unbemerkt geblieben.

Betäubte Giraffe im Damaraland
Eine betäubte Giraffe in Damaraland in Namibia erhält einen Peilsender an ihrem Höcker. Foto: GCF

EarthRanger ist eine Softwarelösung, die Verwalter von Schutzgebieten, Ökologen und Biologen dabei unterstützt, fundiertere Entscheidungen für den Artenschutz zu treffen. Das US-Unternehmen Vulcan Incorporated hat es in Zusammenarbeit mit vielen Naturschutz- und Technologiepartnern entwickelt.

Seit 2017 kombiniert EarthRanger Echtzeitdaten von Rangerpatrouillen, Remote Imaging und verschiedenen Sensoren. Seit September 2021 ist EarthRanger Teil des Allen Institute for Artificial Intelligence (AI2). Dieser Schritt kombiniert beste Forschungspraktiken, Technik, Produktressourcen und Talente, um eine größere positive Wirkung zu erzielen.

Mehrere Umwelt-Organisationen verwenden diese Software, einschließlich der GPS-Technologie, müssen sie jedoch häufig an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen. So entsteht eine schnelle Fortentwicklung.

EarthRanger hat beschlossen, ab diesem Jahr einen Technologiepreis einzuführen. Bis Mitte des Jahres mussten Umweltorganisationen ihre Anträge einreichen.

Am 2. November dieses Jahres wurden die Gewinner bekannt gegeben. Die GCF und die kenianische Organisation Lion Guardians erhielten den ersten „Conservation Tech Award“. Er wurde ausgeschrieben, um Innovation und Entwicklung für Lösungen im Naturschutz zu fördern. Der Preis würdigt Organisationen, die Technologien einsetzen, um gefährdete Arten zu schützen, ökologische Veränderungen und Tierverhalten zu überwachen und das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier zu fördern.

Ein anderer Typ wird seit einigen Monaten vom GCF in Südafrika getestet. Es sind leichte Ohrmarken, die für die Rinderindustrie in Australien entwickelt wurden. Alle Giraffen werden regelmäßig überwacht.

Stiftung zum Schutz der Giraffen

Als EarthRanger-Benutzer hat die Giraffenstiftung maschinelles Lernen, schnelles Geodatenmanagement und Visualisierung verwendet, um die Wege der Giraffen zu verstehen und sich für ihren Schutz einzusetzen. Die GCF hat die sogenannte Twiga-Tracker-Initiative ins Leben gerufen, die größte GPS-Satelliten-Tracking-Studie, die jemals an Giraffen durchgeführt wurde. Mit den solarbetriebenen Peilsendern verfolgt die Stiftung die Migrationsmuster der Giraffen in 18 Afrikaländern und beobachtet ihre Interaktionen mit ihrer Umgebung. Die Peilgeräte helfen auch bei der Bekämpfung der Wilderei.

Giraffe mit Peilsender
Der Twiga-Peilsender kann auch am Schwanz der Giraffe befestigt werden. Foto: GCF

Die Stiftung führt wiederholte Erhebungen von Giraffenpopulationen durch, die Mustererkennung und maschinelles Lernen verwenden, um eine Datenbank aller bekannten einzelnen Giraffen in wichtigen Naturschutzlandschaften zusammenzustellen. Sie verwendet zusätzlich die Genetik, um die Giraffentaxonomie von einer auf vier verschiedene Arten neu zu klassifizieren. Die Hoffnung der GCF besteht darin, eine Leidenschaft für den Schutz dieser Arten zu wecken, die eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in Ökosystemen spielen – deren Anzahl jedoch in den letzten drei Jahrzehnten aufgrund von Lebensraumverlust, menschliches Bevölkerungswachstum, Krankheiten und Wilderei um fast 30 Prozent gesunken sind.

Vier Giraffenarten identifiziert

Laut GCF gibt es in Afrika vier verschiedene Giraffenarten – Masai, Süd-, Nord- und Netzgiraffe mit mehreren Unterarten.

Alle vier Giraffenarten und ihre Unterarten leben in geographisch unterschiedlichen Gebieten in ganz Afrika und es gibt insgesamt nur noch etwa 100.000 Giraffen in freier Wildbahn.

In Namibia gibt es etwa 12.000 angolanische Giraffen sowie 100 südafrikanische Giraffen. Die Giraffen sind im ganzen Land weit verbreitet und kommen auf privatem und kommunalem Land sowie in Nationalparks vor.

Kinder lernen etwas über Giraffenschutz

Die Giraffenstiftung hat mit einem Programm für Kinder in der Khomas-Region begonnen. Das Khomas Environmental Education Programm (KEEP) ist ein interaktives Umweltbildungsprogramm. Es soll das Interesse junger Namibier wecken, sich um ihre Umwelt zu kümmern. Die Kinder werden auch auf Exkursionen in die Natur mitgenommen. KEEP richtet sich an Grundschulkinder in Windhoek, insbesondere an benachteiligte Schulen.

Der Welt-Giraffentag ist am 21. Juni

Vor einigen Jahren hat der GCF den Weltgiraffentag eingeführt, um auf die Giraffe als bedrohte Art aufmerksam zu machen. An diesem Tag unternehmen Umweltschützer, NGOs, Zoos und Schulen in vielen Ländern Aktivitäten, darunter das Sammeln von Spenden für den Giraffenschutz.

Brigitte Weidlich

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