Postläufer – Briefmarke als Grabstein

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Postläufer - Briefmarke als Grabstein
Postläufer Richard ‚Tooke‘ Karambovandu kurz vor seinem tragischen Tod im September 1897. Quelle: Lichtbildstelle des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FTZ) in Darmstadt (seit 1995 Forschungs- und Technologiezentrum der Deutschen Telekom AG in Berlin)

Eigentlich spricht alles dafür, ein Feuer anzuzünden und die Nacht im Busch zu verbringen. Aber Omaruru ist nicht mehr weit, und er findet sich im Dunkeln gut zurecht. Auch sein Ehrgeiz treibt ihn voran. Morgen würden sie ihn allmählich erwarten. Knapp drei Wochen für die Strecke nach Walvis Bay und zurück, das war sehr schnell, aber seine übliche Zeitspanne. Wie aber würden sie darüber staunen, dass er heute nacht bereits zurückkehrte? Und über den besonders schweren Sack voller Briefe, auf die sie stets so sehnlichst warteten? Trotz der schweren Last auf der Schulter eilt er weiter durch den Busch.

Da! Ist dort vorne nicht schwacher Feuerschein zu sehen? Plötzlich schallt ein Ruf aus dem dunklen Busch: „Halt! Wer da? Parole?“ Er erschrickt. Das hat er nicht bedacht: Er kennt das Passwort nicht. „Tooke“, ruft er und fügt — weil er die Stimme nicht kennt — hastig hinzu: „der Postläufer.“ „Parole?“, ruft es erneut, lauter und mit nervöser Stimme. Seine Sorge schlägt in Angst um – der wachhabende Soldat kennt ihn nicht und wird schießen, wenn er ihm nicht sofort das richtige Passwort nennt. „Post, Post…“, ruft er atemlos. „Post, Post“, röchelt er auch noch nach dem Schlag, der ihn an der Brust trifft und ihn niederstreckt…

So mögen sich die letzten Augenblicke im Leben von Richard ‚Tooke‘ Karambovandu abgespielt haben. Was sich tatsächlich ereignet hat an jenem 1. September 1897, schildert leider keine Quelle. Aber dass es sich um ein tragisches Versehen gehandelt haben muss, steht außer Zweifel.

Tooke war ein allseits hoch angesehener Postläufer und gehörte zu einer Einheit ausgebildeter Herero innerhalb der Schutztruppe. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof der Rheinischen Mission in Omaruru beerdigt. Das damals übliche Holzkreuz fiel natürlich Wind und Wetter oder den Termiten zum Opfer, so dass sein Grab nicht mehr gekennzeichnet ist.

100 Jahre nach seinem Tod hat ihm jedoch NamPost, die namibische Post, ein Denkmal gestiftet, das weit über Omaruru, ja sogar über die Grenzen Namibias hinaus sichtbar ist: Eine Briefmarke, die vom namibischen Künstler Joe Madisia gestaltet wurde. Ein Foto von Richard ‚Tooke‘ Karambovandu, die kurz vor seinem Tod entstanden sein muss, diente als Vorlage.

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