Privatsektor finanziert kommunale Fischwächter

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Fischwächter Sikunga-Hegegebiet, Namibia
Einige der Sikunga Fischwächter in ihren Uniformen. Dank der Initiative zahlreicher Privatunternehmen sind den Männern ein monatliches Gehalt und weitere Vorteile sicher.

Die Fischwächter am Sambesi haben alle Hände voll zu tun. Am 7. September dieses Jahres (2018) zogen die „Fish Guards“ des kommunalen Sikunga-Hegegebiets ein illegal ausgelegtes Netz mit insgesamt 341 Fischen aus einem Seitenarm des Sambesi. Der Seitenarm, bekannt als Kalimbeza Kanal, ist ein proklamiertes Fischschutzgebiet auf der namibischen Uferseite. Dort liegen der Nwanyi Angling Club, das Zambesi Mubala Camp und ganz am Ende des Seitenarms die Zambezi Mubala Lodge. Weder Namibier noch Sambier dürfen dort Netze oder Angelleinen auslegen. Hier führen die Fischhüter einen unaufhörlichen Kampf gegen illegales Fischen. Dabei handelt es sich allem Anschein nach meist um Sambier, die in der Dunkelheit mit ihrem traditionellen Mokoro (Einbaum) auf die namibische Seite kommen und dort die verbotenen monofilen Netze oder Langleinen im Fischschutzgebiet auslegen. Vor Sonnenaufgang holen sie die Netze samt Beute ein und kehren auf die sambische Seite zurück. Ein weiterer Rekord wurde im Juli dieses Jahres aufgestellt, als eine Langleine mit insgesamt 328 Haken konfisziert wurde.

Im vergangenen Jahr (2017) haben die Fischwächter insgesamt 57 Mokoros und 112 illegale Netze konfisziert. In diesem Jahr waren es bis Ende Oktober bereits 51 Mokoros und 375 Netze. Vom 1. September 2017 bis zum 31. Oktober 2018 wurden Netze mit einer Gesamtlänge von 131,4 Kilometern konfisziert und verbrannt. In den Netzen befanden sich 3474 tote Fische (20 verschiedene Arten), darunter auch 128 Tigerfische. Die Fische wurden an die Gemeinschaften im Hegegebiet verteilt. Noch lebende Fische in den Netzen wurden von den Fischwächtern an Ort und Stelle freigelassen, jedoch ohne sie zu zählen oder die Arten zu bestimmen.

Fischreuse, Sambesi
Eine traditionelle Reuse, in der sich zahlreiche Fische befinden, wird von den Fischwächtern konfisziert.

Die Arbeit der Fischwächter ist nicht ungefährlich. Vor einigen Monaten, als ein Streit mit illegalen Fischern zum Kampf ausgeartet war, wurde einer der Männer in den Sambesi gestoßen und ertrank.

Um die Fischbestände zu schützen und eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten, haben private Unternehmen und -Organisationen zusammen mit staatlichen und traditionellen Institutionen das Sikunga-Fischschutzgebiet-Management-Komitee gegründet. Das Komitee hat elf Mitglieder: je zwei Vertreter des kommunalen Hegegebietes Sikunga und des Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen, sowie je ein Vertreter von zwei privaten Lodges, des Nwanyi Angelklubs, des Ministeriums für Umwelt und Tourismus, der NNF (Namibia Nature Foundation), des IRDNC (Integrated Rural Development and Nature Conservation)  und der traditionellen Führung von Kalimbeza. Vorsitzender ist Jaco Visser, Finanzdirektor von Gondwana Collection Namibia und selbst begeisterter Sportangler.

Die 15 Sikunga-Fischwächter bekommen dank einer Privatinitiative und in Zusammenarbeit mit dem Komitee regelmäßig ein Gehalt gezahlt, jeder der Männer hat eine Ausrüstung erhalten. Zudem wurde für jedes Mitglied ein Mobiltelefonvertrag abgeschlossen, der monatlich beglichen wird. Die Männer arbeiten in zwei Schichten und werden im Dienst verköstigt. Weiterhin wurden zwei Motorboote angeschafft, für die der Treibstoff gesponsert wird. Bei den Fischwächtern handelt es sich um ehemalige Wildhüter des kommunalen Hegegebietes Sikunga. Aus jeder Siedlung im Hegegebiet wurde eine Person für den Einsatz als Fischwächter ausgesucht.

Fischwächter Sambesi
Fischwächter des kommunalen Sikunga-Hegegebietes auf Patrouillenfahrt mit einem der gesponserten Boote.

Wie wichtig der Schutz der Fischbestände in den Grenzflüssen ist, illustrieren drei wichtige Bestimmungen, die das Ministerium für Fischerei und Meeresressourcen im Dezember 2016 im Amtsblatt veröffentlicht hat. Erstens wurde der Verkauf und die Verwendung von monofilen Netzen untersagt. Zweitens wurde der Kasaya-Kanal zwischen dem Sambesi und dem Chobe im kommunalen Hegegebiet Impalila als Fischschutzgebiet proklamiert, und drittens wurde das Sambesi-Chobe-Flusssystem zum Fischschutzgebiet deklariert. Ein Fangverbot gilt vom 1. Dezember bis zum 28. Februar.

Der Erfolg der Fischwächter hängt von den großzügigen Spenden des Privatsektors ab. Die Lodges in der Sambezi-Region sind auf die Fischbestände angewiesen, denn unzählige Sportangler kommen dorthin, um ihrem Hobby nachzugehen. Sportangler lassen jeden Fisch wieder frei. Zahlreiche Gemeinschaften sind ebenfalls auf gesunde Fischbestände angewiesen, da sie eine wichtige Nahrungsquelle sind. Unkontrollierter kommerzieller und illegaler Fischfang kann die Fischbestände langfristig schwer schädigen.

Dirk Heinrich

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