Städtische Gärten gewinnen in Namibia an Bedeutung

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Urbaner Garten, Swakopmund
Vertreter von UNDP und der Stadtverwaltung inspizieren die gute Ernte in Swakopmund. Foto: UNDP

Während der Anbau von eigenem Gemüse im Garten mit einigen Obstbäumen als Ergänzung zu einer ausgewogeneren Ernährung bis vor einem halben Jahrhundert durchaus üblich war, ist diese gute Angewohnheit weitgehend verschwunden.

Vor kurzem haben lokale Behörden und Entwicklungspartner Namibias das Anlegen von Gärten in Hinterhöfen wiederbelebt. Das Ziel ist Arbeitslosigkeit und Armut zu reduzieren, eine bessere Ernährung, den Transfer von Fähigkeiten zu fördern und die Selbstversorgung zu verbessern.

Die Swakopmunder Stadtverwaltung war die erste Regierungsbehörde, die dieses Konzept vor etwa zwei Jahren eingeführt hat. Trotz der Covid-19-Pandemie, die Namibia ab März 2020 heimsuchte, baute die Stadtverwaltung unermüdlich einen Gewächshaustunnel in der Stadt, um Arbeitslosen die Möglichkeit zu geben, Gemüse anzubauen.

Diese Initiative erregte die Aufmerksamkeit von Entwicklungspartnern und etwa ein Jahr später haben Rundu, Windhoek und Maltahöhe sie ebenfalls aufgenommen.

Swakopmund ist wegweisend

Die malerische Küstenstadt ist ein beliebter Tourismusort für Einheimische und Besucher aus dem Ausland. Man würde nicht vermuten, dass Swakopmund eine Bevölkerung von rund 45.000 Einwohnern hat. Wie überall auf der Welt strömen viele Menschen aus ländlichen Gebieten auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die Städte. Swakopmund ist keine Ausnahme, trotz des oft kalten Wetters und nicht genügend Arbeitsmöglichkeiten für Ungelernte.

Die Stadtverwaltung begann 2020 mit ihrem „Urban-Gardening“-Projekt in der stillgelegten alten Kläranlage in der Nähe der riesigen Mehrzweckhalle namens „The Dome“.

Mit einem anfänglichen Budget von N$250.000 (ca. 40.000 Euro) baute sie einen großen Gewächshaustunnel von 330 Quadratmetern mit Hochbeeten aus Holz und einem Tropfbewässerungssystem. Dies geschah nach Konsultationen mit Agrar- und Umweltexperten im Ministerium für Landwirtschaft, Wasser- und Landreform (MAWLR), dem Sustainable Coastal Gardening Community Program (SCGCP) und anderen technischen Partnern.

Dieser Ansatz mildert die rauhen Umwelt- und Klimabedingungen der Küste.

„Auf diese Weise haben wir auch eine vollständig kontrollierte Umgebung, die die ganzjährige Lebensmittelproduktion im städtischen Garten sicherstellt“, sagt Alfeus Benjamin, der Stadtdirektor von Swakopmund.

Urbaner Garten, Hochbeet, Swakopmund
Hochbeete und alte Autoreifen in Stadtgärten. Foto: FAO

Eine Gruppe von dreißig Arbeitslosen wurde ausgewählt, um sie in Urban Gardening und auch in grundlegendem Marketing auszubilden, damit sie  ihre Überschüsse verkaufen können. Nach sechs Monaten wurde im vergangenen Oktober die erste Ernte von hauptsächlich Tomaten, Gurken, Spinat und Salat eingebracht. Die Produkte waren für den Eigenverbrauch und ein kleiner Überschuss wurde an die Öffentlichkeit verkauft.

Ermutigt durch diesen Erfolg und die Möglichkeit, regelmäßiger Geld zu verdienen, wird mehr Gemüse angebaut und mehr Kunden kommen vorbei und kaufen das Gemüse aus dem urbanen Lebensmittelgarten. Inzwischen wurden Markttage eingeführt.

Von den ursprünglich 30 ausgewählten Personen sind 25 übrig geblieben; die anderen entschieden sich für andere Arbeitsmöglichkeiten.

Das UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) zeigte Interesse, das Projekt der Stadtverwaltung von Swakopmund zu unterstützen, und die japanische Botschaft in Namibia zeigte sich bereit, mit mehr Finanzmitteln zu helfen.

In der zweiten Phase wurde kürzlich ein großes Schattennetzhaus mit etwa 1.575 Quadratmetern und wieder mit erhöhten hölzernen Blumenbeeten und Tropfbewässerung für etwa N$ 2 Millionen (etwa 119.000 Euro) gebaut, dank der Regierung von Japan und kanalisiert über UNDP (United Entwicklungsprogramm der Nationen). Die Mittel werden vom Environmental Investment Fund (EIF) von Namibia verwaltet. Jedes der vier städtischen Gartenprojekte profitiert somit von 500.000 N$.

Später im Jahr 2021 nahm das Landwirtschaftsministerium diese Initiative mit Japan und UNDP unter dem Motto „Build Back Better (BBB)“ offiziell unter seine Fittiche.

Interessanter Ansatz in Windhoek

Hohe Wasserkosten in Namibia aufgrund unregelmäßiger Niederschlagsmuster haben auch die Gartenarbeit entmutigt. Ein privates urbanes Landwirtschaftsprojekt, „Farm Okukuna“, wurde 2018 von drei Partnern gestartet. Der World Future Council, eine deutsche Stiftung, war für die Verwaltung und Mittelbeschaffung verantwortlich. Die Eloolo-Permakultur-Initiative ermöglichte die Ausbildung. Die Stadtverwaltung von Windhoek trat als Vermieter auf und stellte Land, Sicherheit und Wasser zur Verfügung. Das Urban-Gardening-Projekt liegt im Goreangab-Gebiet, einer informellen Siedlung am nordwestlichen Stadtrand von Windhoek.

Später wurde das Aquaponik-System eingeführt, ein System, das es ermöglicht, Gemüse und Gras (als Futter) in einer Wasserlösung mit zusätzlichen Nährstoffen anzubauen.

Ein positiver Nebeneffekt der „Farm Okukuna“ war, dass die Menschen, die dort ausgebildet wurden, ihre eigenen Hinterhofgärten anlegten, um Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. Wenn ein kleiner Überschuss produziert wird, wird er zu einem erschwinglichen Preis an Nachbarn verkauft. Die Farm wurde mittlerweile von der Windhoeker Stadtverwaltung übernommen.

Auguste Kankondi zum Beispiel hat ihren eigenen Garten angelegt, der die täglichen Mahlzeiten ihrer Familie ergänzt und ihr ein zusätzliches Einkommen einbringt. „Ich habe so viel gelernt und Nachbarn haben mich gebeten, sie in Urban Gardening einzuführen, was ich gerne mache“, sagt sie. „In unserer Gegend entstehen eine ganze Reihe kleiner Hinterhofgärten, was ein gutes Zeichen ist.“

Die Bewohner bauen Hochbeete entweder aus gebrauchten Holzbrettern oder bauen aus Steinen Wände für kniehohe Hochbeete. Beliebt sind auch alte Autoreifen.

Hinterhofgarten, Windhoek
Auguste Kankondi in Goreangab in Windhoek zeigt ein Hinterhof-Beet. Foto: UNDP

Die Bewohner bauen Hochbeete entweder aus gebrauchten Holzbrettern oder bauen aus Steinen Wände für kniehohe Hochbeete. Beliebt sind auch alte Autoreifen.

Jugendliche in Maltahöhe

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das „Build Back Better“-Projekt mit städtischem Anbau in dem kleinen Dorf Maltahöhe im Süden Namibias. Nur fünf Kilometer entfernt liegt die Daweb-Farm. Die Regierung kaufte sie vor einigen Jahren für die Umsiedlung von zuvor benachteiligten Namibiern.

Als erster Schritt erhielt eine Gruppe arbeitsloser Jugendlicher im Jahr 2021 als erste Begünstigte eine praktische Ausbildung zum Anbau von Gemüse auf der Farm. Inzwischen sind weitere Bewohner aus Maltahöhe hinzugekommen und eine Genossenschaft wurde gegründet und offiziell registriert. Ein Teil des dort angebauten Gemüses wird auch in Maltahöhe verkauft, einiges wird an Suppenküchen gespendet.

Gondwana Collection baut selber an

Das namibische Tourismusunternehmen Gondwana Collection Namibia versorgt seine Lodges schon seit Jahren aus eigenem Anbau (s. Frischprodukte aus eigener Produktion). Viele Lodges unterhalten Treibhäuser und ernten Gemüse und Kräuter für den Eigenbedarf vor Ort. In Windhoek ist gar von zwei Gondwana-Mitarbeitern in Eigeninitiative ein kleines Maisfeld angelegt worden, gleich hinter dem Gondwana Travel Centre.

Gute Zukunft für Anbau in Städten

Der Klimawandel und der demographische Wandel in der Bevölkerung könnten Urban Gardening-Initiativen beschleunigen. Windhoek verzeichnet monatlich etwa 500 bis 600 neue Einwohner; Menschen, die hauptsächlich aus ländlichen Gebieten in die namibische Hauptstadt ziehen, auf der Suche nach Jobs, einem besseren Leben und besseren Schulen für ihre Kinder.

Nach Angaben von „Worldometer“ lebten im Jahr 2020 etwa 55,2 Prozent der Bevölkerung (1.403.099 Menschen) in Städten. Namibia hat etwa 2,5 Millionen Einwohner.

Es wird prognostiziert, dass der Anteil der Menschen, die in städtischen Gebieten leben, bis 2030 auf 65 Prozent steigen wird.

Autorin dieses Beitrags ist Brigitte Weidlich.
Sie war nach ihrem Musik- und Germanistikstudium fast 20 Jahre lang als Berufsmusikerin tätig. Nebenbei machte sie Sendungen für das deutschsprachige Radio der Namibian Broadcasting Corporation (NBC). Inzwischen arbeitet Brigitte vollberuflich als freischaffende Journalistin im Print- und Rundfunksektor. Seit 2014 berichtet sie auch für Gondwana Collection. Für Fragen oder Anregungen ist sie zu erreichen unter .

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