Swakopmunds Supertalent ist kaum größer als sein Instrument

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Kati Hwande
Kati mit seiner Bongo-Trommel. (Foto: Gondwana Collection)

Leicht platziert Kati seine beiden Hände auf das hart gespannte Fell der Bongo-Trommel. Ein kräftiges Anspielen, dann schnellen die Finger direkt wieder zurück. Im Wechsel von Daumen und Fingerspitzen erzeugt er, mal sanft, dann wieder in schnellen Tempi, eine rhythmische Lebendigkeit. Seine Begeisterung am erzeugten „Sound“ ist auffallend spürbar. Kati ist fünf Jahre alt und kaum größer als sein Instrument.

Entdeckt hat ihn der kuwaitische Graffiti-Superstar, Mo Starr, der unter dem Gondwana-Motto „the celebration of colour“ (die Feier der Farben) u. a. den Swakopmunder Stadtteil Mondesa bereiste. Gondwana Collection Namibia stellte ein kurzes Video über den begabten Jungen ins Netz und schenkte ihm eine Bongo-Trommel. Viele haben sich das junge Supertalent auf YouTube angesehen, einige haben das Video kommentiert.

„Afrika hat Talent”, schreibt Naneva Wave, „wir sollten die Möglichkeit nutzen, uns zu vereinen, um der Welt zu zeigen, was Afrika zu bieten hat.“

„Landsmänner, muss immer erst ein Ausländer uns entdecken?“ fragt Kaiho Rukambura. „Wir sollten aufhören, freitags in „talentierte“ Shebeen-Besitzer zu investieren und uns mehr um unsere eigenen Leute kümmern“, kommentiert er.

„Es ist traurig, dass Außenseiter talentierte Kinder aus unserer verarmten Gemeinschaft entdecken müssen“, schreibt Verie Kasume. „Jetzt ist er bekannt, aber was tun wir nun, um sein Talent zu fördern? Wie helfen wir ihm weiter? Eine Trommel allein ist nicht genug. Wir als Nation müssen handeln oder wollen wir nur zuschauen, wie sein Traum auf der Straße verblasst?“

David Dutoit ist der Meinung, er solle einem Musiklehrer vorgestellt werden.

Doch was braucht Kati wirklich? Trommeln kann er ja schon recht gut. Aber mit trommeln allein und dazu singen ist es nicht getan.

„Ein cleveres Bürschchen, dennoch hinkt er hinterher“, sagt Joel Nambuli. Joel ist Lehrer im MYO-Zentrum (Mondesa Youth Opportunities), einer Schule für ganz besonders begabte und talentierte Kinder. Nebenbei gibt er Bongo-Unterricht in drei verschiedenen Kindergärten. Zudem ist er ein guter Freund des Hauses. Der Lehrer warnt vor zu viel Rummel. „Plötzlich reißt man sich um den Jungen, wir sehen etwas in ihm, das er selbst noch nicht wirklich entdeckt hat“, so Joel, „wir Erwachsene müssen aufpassen, dass seine kleine Seele nicht verletzt wird.“ Was dem Jungen fehle, sei eine Grundausbildung und kein Ruhm um seine Persönlichkeit. Kati wurde am 3. November sechs Jahre alt. Er hat noch nie einen Kindergarten besucht und somit keinerlei Vorschulkenntnisse.

Musikunterricht
Zweimal die Woche bietet Joel Nambuli im Kindergarten Musikunterricht an. Hier wird Katis (rechte Bongo-Trommler) Können spielerisch weiter gefördert. (Foto: Kirsten Kraft)

Mit seiner Mutter Debora und seiner kleinen Schwester Tasha lebt „Mondesas Supertalent“ bei Tante und Onkel in einem Haus, das nicht größer ist als eine Doppelgarage. Zehn Personen hausen hier in Armut. Fließend Wasser gibt es zurzeit nicht; die Wasserrechnung konnte nicht bezahlt werden. Lediglich Onkel Egelhard bringt etwas Geld ins Haus. Tante Evelyne verdient sich mit Maniküre und Haare flechten ein kleines Taschengeld. Die restlichen Bewohner sind entweder Kinder oder arbeitslose Erwachsene.

Katis Vater lebt in Harare/Zimbabwe. Auch er scheint nicht viel zu besitzen, eine finanzielle Unterstützung seinerseits bleibt aus.

„Wenn wir ihm wirklich helfen wollen, dann am besten gleich“, betont Hilda Meyer, Eigentümerin vom „Learning Right Kiddies Centre”. Sie hatte mittlerweile das Vergnügen, Kati beim Trommeln bewundern zu dürfen. „Der Junge ist zwar ein talentierter Bongo-Spieler, aber ihm fehlt sämtliches Grundwissen.“

Im „Learning Right Kiddies Centre“ hätte Kati eine Chance. Hier wird sich auf das „gesamte Kind“ konzentriert. „Bei uns werden die Sinne geprägt, zeitgleich die Denkfähigkeit sowie die Sprache Englisch gelehrt.“ All das besitzt Kati noch nicht. „Er ist ein kleiner Junge, der sich mitten in einem Durcheinander befindet, wenn ich das mal so ausdrücken darf.“

Hilda Meyers Kindergarten hält sich nicht an den namibisch vorgeschriebenen Bildungsplan. „Wir lehren das Kind“, erklärt die Pädagogin. Dabei folge sie den Grundprinzipien von Dr. Melodie de Jager, einer qualifizierten Kindergärtnerin, die einen Master in Naturwissenschaften und Mathematik abgeschlossen hat und über die Rolle der neurologischen Integration im Lernprozess promovierte.

Hinter dem großen Schiebetor vom „Learning Right Kiddies Centre“, gegenüber vom Swakopmund Spar, liegt ein Kinderparadies. Knapp 100 Schützlinge im Alter zwischen zwei und sechs Jahren besuchen diese Tagesstätte, die von 7 Uhr in der Früh bis Feierabend geöffnet hat. Hier werden den Sprösslingen alle Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung geboten. Es gibt Frühstück, Snacks, Mittagessen, von der hauseigenen Köchin Jacki und ihrer Gehilfin Rosi schmackhaft zubereitet. So manche Zutaten kommen aus dem eigenen Garten, den die Kinder selbst bepflanzen und auch selbst pflegen müssen. Neben den normalen Klassen, in denen die Grob- und Feinmotorik erlernt wird, bietet der Kindergarten auch Naturpädagogik, Schach und eine musikalische Früherziehung an.

Für Kati eine ideale Fördermöglichkeit, doch der Kindergarten kostet halbtags 1700 Namibia Dollar pro Monat und im nächsten Jahr ganztags 2400 Namibia Dollar, beide Beträge sind für die arbeitslose Mutter unerschwinglich.

Kati Hwande mit Mutter
Stolz präsentiert Kati, hier mit seiner Mutter Debora, seine neue Uniformjacke. Jetzt gehört er mit dazu. (Foto l.: Kirsten Kraft) | Kati übte sich schon mit anderthalb Jahren im Bongo-Trommeln. (Foto r.: privat)

Bleibt alles doch nur ein Traum? Bleibt es bei „einmal gesichtet und wieder vergessen“?

Mit nur einer Bongo-Trommel sollte es auch für Gondwana Collection Namibia nicht getan sein. Der Gondwana Care Trust, der die soziale Verantwortung des Touritstikunternehmens wahrnimmt, die Bevölkerung unterstützt und sich für den Umweltschutz einsetzt, hat sich dazu entschieden, auch Katis pädagogischen Weg zu ebnen. Kati darf ganztags den Kindergarten besuchen, der Care-Trust kommt für die Kosten der Vorschule auf.

„Sein erster Tag war für ihn noch recht gewöhnungsbedürftig“, berichtet Hilda Meyer. Er habe einfach, wann es ihm passte, das Klassenzimmer verlassen. Doch schon nach drei Tagen habe er begriffen, „auch das Fügen gehört dazu und geschieht zu seinem Besten.“

Vielleicht wird aus Kati nicht der weltbeste Bongo-Trommler, doch mit der finanziellen Unterstützung vom Gondwana Care Trust und dem richtigen pädagogischen Einstieg, kann aus diesem kleinen Junge ein Bezwinger dieser Welt werden.

Kirsten Kraft

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