Traditionelle und moderne Werkzeuge im Einsatz

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Mörser schnitzen, Namibia
Derweil Petrus Kahilu (im Hintergrund) modernes Werkzeug einsetzt, bearbeitet Peter Kasweka einen Stampfer mit einem traditionellen Beil. Dank jahrelanger Übung kann er mit diesem einfachen Werkzeug grobe und feine Holzarbeiten durchführen.

Etwa vier Tage benötigen Peter Kasweka (40) und Petrus Kahilu (42), um einen etliche Kilogramm schweren „Sini“, einen traditionellen Mais- und Perlhirse-Mörser, aus dem Holz der Guibourtia coleospermma zu schnitzen. Für den dazugehörigen „Munhiwi“, den Stampfer, brauchen sie drei Tage.

Die beiden Männer haben ihre Werkstatt zehn Kilometer vor Rundu neben der B8-Fernstraße unter einem Baum in der Macivi-Siedlung. Seit 23 Jahren schnitzen sie Mörser, Stampfer und Kochlöffel aus dem Holz der Bäume in ihrer Umgebung. Um das Holz der Guibourtia coleospermma transportieren und nutzen zu dürfen, müssen die beiden Schnitzer eine Genehmigung der Forstbehörde beantragen. Auch für den Verkauf der verschiedenen Gebrauchsgegenstände und Souvenirs benötigen sie eine Genehmigung.

Hirse stampfen, Namibia
Die 21-jährige Johanna stampft mit dem alten Mörser und Stößel der Familie Mais und Perlhirse zu Mehl, eine Arbeit, die grundsätzlich von Frauen und Mädchen verrichtet wird.

Die traditionellen Mais- und Mahangu-Mörser mitsamt dem Stößel verkaufen sie direkt neben der Straße. Touristen und einheimische Käufer erwerben die hölzernen Mörser für 350 bis 450 Namibia Dollar. Die Stampfer, oder Stößel, kosten N$ 250. Für einen „Rupandi“, einen Kochlöffel, verlangen sie N$ 70.

Mit einer Handsäge werden die Baumstämme und Äste in die benötigte Länge zersägt. Danach wird die meiste Vorarbeit mit Hilfe eines traditionellen Beils geleistet, mit dem große Stücke herausgehackt, aber auch feinere Schnitzarbeiten durchgeführt werden können. Zum Glattschleifen des fertigen Produkts setzen die Männer einen elektrischen Winkelschleifer ein. Ein elektrischer Hobel ist ebenfalls vorhanden. Mit dem Erlös der verkauften Schnitzereien ernähren Peter und Petrus ihre Familien. Beide haben je sieben Kinder und leben in einfachen Hütten aus Holz und Lehm. Julio, die Frau von Petrus, kümmert sich um die Verkäufe am Straßenrand. Ihre 21-jährige Schwester Johanna möchte Krankenschwester werden, lebt aber noch bei ihrer Familie. Wie die meisten Frauen und Mädchen in diesem Teil von Namibia kann sie souverän mit dem Stampfer und Mörser umgehen und Mais oder Perlhirse zu Mehl zerstampfen. Die Familie verwendet einen sehr alten Mörser und Stößel.

Mais- und Perlhirse-Mörser, Namibia
Das Hauptgeschäft von Petrus und Peter sind die hölzernen Mais- und Perlhirse-Mörser.

Peter und Petrus schnitzen auch hölzerne Becher, Elefanten und andere Tiere. Sie haben vor, kleine Mörser und Stampfer herzustellen, die Touristen dann leichter mit nach Hause nehmen können. Derzeit verkaufen die Familien auch die Früchte der Affenorange (Strychnos cocculoides), eine Brechnussart. Sie sammeln die apfelsinengroßen orangen Früchte im Busch und verlangen N$ 2 pro Stück – ein Zusatzeinkommen für die großen Familien.

Auf dem Weg nach Rundu gibt es zu beiden Seiten der B8 zahlreiche Stände, an denen Holzschnitzereien angeboten werden. Manche Schnitzer haben sich auf Flugzeuge und Hubschrauber spezialisiert, manche auf kleine Autos und andere auf Tiere oder Gebrauchsgegenstände.

Nach Angaben von Beamten der Veterinärbehörde am Mururani Veterinärkontrollpunkt können Touristen ohne Probleme bis zu sechs Schnitzereien nach Süden mitnehmen, solange sie eine Quittung vorweisen. Bei mehr als sechs Schnitzereien ist eine Transportgenehmigung nötig.

Dirk Heinrich

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