Vogelgrippe erreicht Namibias Pinguine

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Brillenpinguine Halifax
Brillenpinguine mit Küken auf der Halifax-Insel bei Lüderitzbucht. Die flugunfähigen Vögel brüten auf verschiedenen Inseln vor der namibischen Küste und an einer Stelle auf dem Festland.

Seit dem 13. Februar dieses Jahres (2019) ist es offiziell: Namibias Brillenpinguine auf der Halifax-Insel bei Lüderitzbucht sterben an der gefürchteten Vogelgrippe H5N8. Bis zum 18. Februar 2019 wurden auf der Insel 345 Kadaver gefunden und verbrannt. Experten vermuten, dass bis zu diesem Zeitpunkt bis zu 500 dieser flugunfähigen Vögel starben. Zahlreiche Pinguine verendeten im Atlantik und wurden durch die Strömung abgetrieben.

Die ersten dieser dem IUCN zufolge stark gefährdeten Vögel verendeten um den 12. Dezember vergangenen Jahres (2018). Experten und Forscher entdeckten Anfang Januar erstmals gegenüber der Halifax-Insel Pinguine, die tot an den Strand gespült worden warren. Wetterbedingt gelang es der Forscherin Dr. Jessica Kemper erst am 16. Januar nach Halifax zu kommen, wo sich der Expertin ein Bild des Schreckens bot. Überall lagen tote ausgewachsene Brillenpinguine herum. Am Tag darauf kehrte Dr. Kemper mit drei Angestellten des Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen zurück auf die Halifax-Insel. 184 Pinguinkadaver wurden eingesammelt und verbrannt. Einige kranke Vögel wurden mitgenommen, starben aber kurz darauf trotz Fürsorge. Der Verdacht, dass es sich möglicherweise um den Influenza-A-Virus H5N8 handeln könnte, lag nahe, da die noch lebenden Pinguine charakteristische Symptome aufwiesen. Ein Jahr zuvor war diese höchstansteckende Krankheit bereits in Südafrika aufgetreten.

Dr. Katrin „Katta“ Lydynia, Managerin der Forschungsabteilung von SANCCOB (Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds) in Kapstadt in Südafrika, zufolge waren am Kap knapp 100 Pinguine an der Vogelgrippe (H5N8) verendet und über 5000 Eilseeschwalben. Dr. Lydynia hat zusammen mit Dr. Kemper von 2005 bis 2015 die Wanderungen zur Nahrungsaufnahme von brütenden Brillenpinguinen von Halifax mit Hilfe von Datenloggern erforscht.

Forscherinnen mit Pinguin
Dr. Jessica Kemper (links) und Dr. Katrin Lydynia (rechts) bringen einen Datenlogger an einem Brillenpinguin an, um herauszufinden, in welche Richtung, wie weit, wie tief und wie lange brütende Brillenpinguine auf Nahrungssuche gehen.

Eingesandte Proben von Halifax bestätigten inoffiziell, dass es sich um H5N8 handelte, aber das zuständige Veterinärlabor des Ministeriums für Landwirtschaft, Wasserbau und Forstwirtschaft bestand darauf, von eigenem Personal offiziell Proben zu nehmen und diese dann zu untersuchen. Aus diesem Grund wurde schließlich erst am 13. Februar dieses Jahres der Ausbruch von Influenza-A-Virus H5N8 auf Halifax offiziell von der Veterinärbehörde und dem Fischereiministerium verkündet. Es ist nicht bekannt, ob die beiden zuständigen Ministerien offiziell Maßnahmen ergriffen haben, um zu verhindern, dass sich diese gefährliche Krankheit ausbreitet. Regelmäßig werden Pinguinkadaver auf der Halifax-Insel verbrannt. Eine Senke, in der sich immer wieder Wasser sammelt und als mögliche Sammelstelle für das Virus dient, wurde mit Salz behandelt und mit Sand aufgefüllt.

Dr. Jessica Kemper zufolge hatte sich der Bestand auf Halifax in den vergangenen Jahren leicht erholt, derweil der Bestand an Namibias Küste weiterhin leicht rückläufig ist. Der namibische Bestand wird auf 29000 Brillenpinguine geschätzt, wovon 7000 auf Halifax leben. Dort sind etwa 1400 Brutpaare zu finden gewesen.

In Südafrika war die Vogelgrippe H5N8 zwischen Mitte und Dezember 2017 auf Straußen- und Hühnerfarmen in der Westlichen Kapprovinz gefunden und schließlich bei einigen Seevögeln nachgewiesen worden. Anfang 2018 wurde das gefürchtete Virus in den ersten Seeschwalben nachgewiesen. Es dauerte aber sehr lange bevor das dortige Staatslabor und die Umweltbehörde reagierte, offiziell den Ausbruch der sehr ansteckenden Krankheit bestätigte und Maßnahmen erließ, um die Verbreitung der Krankheit einzudämmen. Im März vergangenen Jahres wurde es schließlich Wissenschaftlern untersagt, auf die betroffenen Inseln oder zu Vogelkolonien zu gehen, wo H5N8 ausgebrochen war oder vermutet wurde. Inzwischen wurden in Südafrika einige der strengen Auflagen für Forscher gelockert.

Verbrennen toter Pinguine
An der gefürchteten Vogelgrippe H5N8 verendete Pinguine werden auf der Halifax-Insel bei Lüderitzbucht von Angestellten des Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen verbrannt.

Es wird vermutet, dass das Virus von Zugvögeln aus Eurasien über Nord- und Ostafrika nach Südafrika eingeschleppt wurde. Verschiedene Arten Wildvögel waren, betroffen nachdem die Krankheit auf Geflügel- und Straußenfarmen ausgebrochen war. Wie die Vogelgrippe die Halifax-Insel in Namibia erreichte, ist bisher ungeklärt.

Unter den bisher gefundenen Opfern auf Halifax befindet sich ein beringter Brillenpinguin. A10883 war im April 2009 von Dr. Jessica Kemper beringt worden, nachdem die Pinguinforscherin diesen Vogel zusammen mit Dr. Katrin Lydynia am 14. April 2009 verölt auf der Halifax-Insel gefunden hatte. Der Pinguin wurde zusammen mit 128 weiteren verölten Brillenpinguinen nach SANCCOB in Südafrika geschickt, dort gesäubert und wieder aufgepäppelt. Am 2. Juni des besagten Jahres wurde er mit anderen auf Robben Island bei Kapstadt wieder freigelassen. Im August 2010 wurde A10883 wieder auf Halifax entdeckt. Seitdem wurde er zusammen mit einem Partner immer wieder auf der Insel gesichtet. Jetzt ist A10883 zusammen mit einigen hundert Artgenossen der Vogelgrippe zum Opfer gefallen.

Neusten Meldungen vom 5. März 2019 zufolge hat die Vogelgrippe inzwischen die 43 km nördlich von Halifax gelegene Ichaboe Insel erreicht.  Dort verendeten bisher 27 Pinguine. Es gibt starke Bedenken, dass das gefürchtete Virus auf die in der Nähe brütenden Kapkormorane (gefährdete Vogelart) und Kaptölpel (vom Aussterben bedrohte Vogelart) übergreifen könnte.

Dirk Heinrich

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