Wanderer im Fischfluss Canyon vermisst

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Wanderung Fischfluss Canyon Hiker's Point Namibia NamibiaFocus
Startpunkt der Wanderung durch den Fischfluss Canyon am Hiker's Point. Foto (2007): Sven-Eric Stender

Widersprüchliche Meldungen über einen Notruf aus dem Fischfluss Canyon haben heute Vormittag in Namibia ein besorgtes Rätselraten ausgelöst. Erst hieß es, es handele sich um ein Paar aus Südafrika. Dann war von zehn Vermissten die Rede. Eine Pressemitteilung des staatlichen Rastlager-Betreibers NWR von heute Mittag nannte vier Personen.

Demnach haben die vier betroffenen Erwachsenen am 7. Mai, also vorgestern, ihre Wanderung angetreten. Dies geschieht normalerweise am Hiker’s Point etwa 10 km westlich des Rastlagers Hobas.

Notruf von der Raststelle

Sie hätten die erste „campsite“ erreicht, heißt es. Doch Campingplätze gibt es im Canyon nicht. Gemeint ist offenbar die erste Raststelle an der alten Vespa, einem Motorroller, der vor Jahrzehnten von Vespa-Enthusiasten dort zurückgelassen wurde (siehe Bericht „Die ersten Reifenspuren im Fischfluss Canyon“).

Dort haben die Vier laut Pressemitteilung einen Notruf ausgesendet, mit Angabe des Ortes. Ein Suchteam von NWR habe sich sofort auf den Weg gemacht, in dem Gebiet jedoch niemanden gefunden. Die Suche werde fortgesetzt.

Indessen wurde auch ein Helikopter zum Canyon entsandt. Das teilte das Tourismusministerium über WhatsApp am Mittag mit.

Sechs Wanderer von der Vermisstenliste gestrichen

Sechs weitere Wanderer „der ersten Gruppe“ sind laut NWR bereits aus dem Canyon zurückgekehrt. Wenn sie ebenfalls am 7. Mai hinunter gestiegen sind, können sie nur den Notaufstieg gewählt haben.

Dieser Weg führt noch vor der zweiten Raststelle an den Schwefelquellen hinauf auf den Canyonrand. Für die gesamte, etwa 80 km lange Wanderstrecke bis zum Rastlager ǀAi-ǀAis rechnet man dagegen fünf bis sechs Tage.

Rückmeldung unbedingt erforderlich

NWR ruft in seiner Pressemitteilung alle Wanderer auf, sich an die offizielle Wanderroute im Fischfluss Canyon zu halten. Auch solle man sich unbedingt nach Ankunft in ǀAi-ǀAis bei der Rezeption des Rastlagers melden.

Dasselbe gilt für diejenigen, die den Notaufstieg benutzen: Sie sollten sich im Rastlager Hobas zurückmelden.

Todesfälle im Fischfluss Canyon

Der Fischfluss Canyon ist der größte Canyon in Afrika und gilt als der zweitgrößte der Welt. Der mehrtägige Wander-Trail vom Hiker’s Point nach ǀAi-ǀAis ist über die Grenzen Namibias hinaus bekannt. Er ist nur in den kühleren Monaten von Ende April bis Ende September geöffnet.

Im Fischfluss Canyon kommt es immer wieder einmal zu tödlichen Unfällen. Vor Jahren verschwand ein ehemaliger Rennfahrer aus der früheren DDR. Trotz tagelanger Suche wurde er nicht gefunden. Jahre später begingen zwei Frauen aus Deutschland Selbstmord. Sie sprangen von einem hohen Felskliff am Canyonrand in die Tiefe.

 

Autor dieses Beitrags ist Sven-Eric Stender. Er stammt aus Hamburg und lebt seit 1998 in Windhoek. Seit 1986 arbeitet er als Journalist und hat sich auf die Themen Reise, Natur, Menschen und Geschichte Namibias spezialisiert. Für Fragen oder Anregungen ist er zu erreichen unter .

 

2 KOMMENTARE

  1. Es wurde bestätigt, dass alle Personen gesund und munter aufgefunden wurden. Das Ehepaar wurde in den frühen Morgenstunden gefunden, ohne von der Suche nach ihnen zu wissen. Ihr GPS-Gerät hat falsche SOS-Signale gesendet, anstelle einer Nachricht, um ihre Familie zu informieren, dass sie sicher an ihrem Ziel angekommen sind.

    • Hallo, Chris. Vielen Dank für den Hinweis. Dass das vermisste Paar gefunden wurde, haben wir auch gehört, schon gestern Nachmittag, von verschiedener Seite, aber in unterschiedlichen Versionen, die sich zum Teil widersprechen. Auch der Bericht im Namibian heute Morgen passt nicht zum bisherigen – diffusen – Erkenntnisstand. Wir warten noch auf die offizielle Mitteilung von NWR, um ein klares Bild zu erhalten, und werden dann einen Folgebericht veröffentlichen.
      Freundliche Grüße aus Windhoek – Ihr NamibiaFocus-Team

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